Er sah das Elend auf den Strassen: Gossauer gibt Hunden in Rumänien ein Zuhause
14.06.2026
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limmattalerzeitung.ch
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Viviana Troccoli
Eigentlich wohnt Otto Forster in Rumänien. Für eine Woche im Jahr ist er aber zu Besuch in Gossau, wo er aufgewachsen ist. Dann trifft er Verwandte und Freunde, nimmt an Jassabenden teil, geniesst seine freien Tage. Denn davon hat er in Lugoj, in der rumänischen Stadt, in der er lebt, wenig. Dort ist er täglich für die Versorgung und das Wohlergehen von rund 100 Hunden zuständig. Gemeinsam mit einem rumänischen Kollegen bietet Forster in seiner Auffangstation Dogpark Lugoj Vierbeinern von der Strasse ein neues Zuhause. «Keine schönen Anblicke» Die Auffangstation betreibt Forster seit zwölf Jahren. Den Gossauer zog es 1996 aus beruflichen Gründen nach Lugoj. Die Stadt im Westen Rumäniens zählt rund 35'000 Einwohnende. Er arbeitete im Bildungsbereich bei einem Schweizer Unternehmen, das Stickereien herstellte. Denn Forster hat Textil und Stickerei sowie Kunst und Fashion-Malerei studiert. Schon damals sah er das Leid der heimatlosen Hunde, die vielerorts das Strassenbild von Rumänien prägten. Nach Schätzungen der Tierschutzorganisation Vier Pfoten Schweiz leben in Rumänien rund eine halbe Million Strassenhunde. «Das Elend der Hunde ist so offensichtlich, davor konnte ich meine Augen nicht schliessen», sagt Forster. Weshalb er irgendwann in den Tierschutz «hineinrutschte». Nach seiner Pensionierung im Jahr 2012 entschied er sich schliesslich, eine Auffangstation aufzubauen. Dorthin kommen meist verletzte oder kranke Strassenhunde, es werden auch Notfälle vom städtischen Tierheim in die Station verlegt. «Es sind teils keine schönen Anblicke», sagt Forster. Er erinnert sich an einen Hund mit abgeschnittenen Beinen und Ohren. Ihm gehe es mittlerweile im Dogpark wieder gut. Manche Tiere kann Forster an persönliche Kontakte in Rumänien weitervermitteln. Manche finden Besitzerinnen und Besitzer im Ausland. «Viele Hunde werden diesen Ort aber nicht mehr verlassen, weil sie nicht vermittelbar sind», sagt Forster. Daher sei es umso wichtiger, die Tiere artgerecht zu halten, um ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen. Die Hunde haben auf der Station Spiel- und Auslaufmöglichkeiten, können buddeln, baden, sich ausruhen und sich in Hundehütten zurückziehen. Das neueste Projekt: eine Krankenstation Der Aufbau und Betrieb der Auffangstation bringen Herausforderungen mit sich, wie Forster sagt. Besonders zu Beginn des Projekts sei die Bürokratie «eine Odyssee» gewesen: «Wegen jedem Papierchen mussten wir herumrennen.» Der Aufwand und die Auflagen seien in Rumänien enorm hoch. So hat beispielsweise jeder einzelne Hund ein eigenes Dossier, in dem Impfungen und Medikamente dokumentiert werden. Ebenfalls schwierig sei die Finanzierung. Der Dogpark wird nicht vom Staat unterstützt, sondern lebt von Spenden. Hauptsponsor ist die Tierschutzorganisation Animaris. Der Verein unterstützt die Auffangstation finanziell, geht aber auch regelmässig für ehrenamtliche Arbeitseinsätze vorbei. Das zweite Standbein ist die Schweizer Organisation Network for Animal Protection (NetAP), die unter anderem Kastrationsprogramme anbietet. Für Forster ist klar: Das Strassenhund-Problem in Rumänien lässt sich nur durch die Kastration der Tiere lösen. Mithilfe von NetAP konnte Forster bereits 15'000 Hunde und Katzen in Lugoj kastrieren lassen. Zusätzliche Mittel braucht Forster auch für sein derzeitiges Projekt. Wegen gestiegener gesetzlicher Anforderungen und um die medizinische Versorgung zu optimieren, baut er auf seiner Anlage eine Hunde-Krankenstation. Sie soll einen Behandlungsraum, Büroräume und eine Quarantäne umfassen. Auch das finanziert er durch Spenden. Die Bauarbeiten sind inzwischen zu rund 90 Prozent abgeschlossen. Zwischen Tierschutz und Kunst Bei all diesen Aufgaben kommt Forster zugute, dass er sich in den vergangenen Jahren ein breites Netzwerk in Lugoj aufgebaut hat. «Jeder kennt jeden in Lugoj», sagt Forster. Seine Arbeit für die Tiere werde von der Bevölkerung geschätzt und über alle politische Lager hinweg akzeptiert. Doch die Einheimischen kennen ihn nicht nur wegen seines Engagements im Tierschutz, sondern auch wegen seiner Kunst. Nach der Pensionierung hat Forster sich nach Kreativität gesehnt, die zuvor zu seinem Berufsalltag gehört hatte. Und griff wieder zum Pinsel. In seinen Bildern thematisiert er oft politische Themen wie den Tierschutz. Inspirationen nimmt er aus seinem Umfeld. Es erstaunt daher nicht, dass in seinen Gemälden häufig Tiere vorkommen: So zeigt ein Bild von ihm eine Frau auf einem Liegestuhl, neben ihr ein Hund und in der Ferne die Explosion einer Atombombe. Ein weiteres Bild zeigt einen Urwald, im Gewässer ein Krokodil, auf einem Baum eine Schlange. «Für mich ist Malen Psychotherapie», sagt Forster. Seinen Kunststil beschreibt er als Mix aus Expressionismus und Surrealismus: «Ich habe mich nie in eine Schublade drängen lassen.» Ihm ist es wichtig, dass ein Bild eine Botschaft hat. Dass es nur auf seine ästhetische Schönheit reduziert wird, die bekanntlich im Auge des Betrachters liegt, mag er nicht. «Mir ist viel wichtiger, dass eine Symbolkraft dahintersteckt», sagt Forster. Ein paar seiner Bilder sind derzeit im Kulturhaus Brediceanu in Lugoj ausgestellt. Die Ausstellung ist laut Forster so gut besucht, dass die Betreiber die Ausstellung um eine Woche verlängert haben. Sogar das rumänische Staatsfernsehen Televiziunea Română berichtete über seine Kunst. Durch seine Bilder könne er Aufmerksamkeit für den Tierschutz und den Dogpark generieren. Und die Verkaufserlöse für seine Auffangstation brauchen. Hinweis Infos und Spendenmöglichkeiten auf https://dogpark-lugoj.com oder Facebook .